Mit der geplanten Straßenbahnerweiterung von Reutershagen zum Zoo sind aus Sicht der Unterzeichner viele Nachteile verbunden. Dies sind u.a.:
- Steigerung geschätzten Kosten von 60,7 Mio. Euro im September 2023 auf rund 100 Mio. Euro entsprechend der Vorzugsvariante. Weitere Kostensteigerungen sind zu befürchten.
- Wegfall von mindestens 53 Kleingärten zwischen dem Groß Schwaßer Weg und Reutershagen
- Beim Bau müssten unzählige Bäume im Barnstorfer Wald gefällt werden, da die geplante Trasse zwischen Zoo und dem Park-Ride-Parkplatz am Groß Schwaßer Weg durch den Barnstorfer Wald führen soll.
- Laut der ersten Wirtschaftlichkeitsuntersuchung aus dem Oktober 2022 auf Seite 23 „gibt es städtische Bestrebungen, die Fläche zwischen Barnstorfer Ring und Reutershäger Wiesen als Entwicklungsfläche für ein Wohngebiet auszuweisen“. Dies würde rund 1500 Kleingärten gefährden.
- Durchschneiden des Kreisels am Markt Reutershagen durch die Straßenbahntrasse und damit verbunden die Notwendigkeit einer Ampelanlage am Kreisel
- Wegfall der Straßenbahn zwischen dem Neuen Friedhof und der Haltestelle Zoo
- Ausdünnen der Buslinien in Reutershagen, insbesondere zwischen Markt Reutershagen und Schwimmhalle
Ein paar Argumente ausführlicher dargestellt:
- Die Tram West wird durch den Barnstorfer Wald führen und zwar im Streckenabschnitt zwischen Parkplatz Zoo und P+R-Parkplatz West (Groß Schwaßer Weg). Dafür müssen viele (wahrscheinlich hunderte) Bäume im Wald gefällt werden. Ein ortsnaher Ersatz dürfte, wie beim Darwineum, nicht erfolgen, sondern eher in der Rostocker Heide.
- Die Tram West wird durch gewachsene, alte Kleingartenanlagen geführt. Nach der Vorzugsvariante werden über 50 Kleingärten wegfallen. Weitere sind noch unklar wegen möglicher Lärmschutzmaßnahmen. Hinzu kommt, dass die Stadtverwaltung im Rahmen der Planungen der Tram West sowie in Voruntersuchungen für mögliche Baugebiete auch die anderen 1.500 Kleingärten als potenzielles Bauland (im ersten Gutachten 35 ha, insbesondere mit Einfamilienhäuser, aufgeführt) ansieht. Zuletzt wurde durch einen nicht-städtischen Stadtplaner das „Potential“ in der OZ genannt. Außerdem sind die Kleingartenanlagen auf der Route Heimat vieler Tierarten.
- Die Tram West wird schon heutigen Schätzungen 100 Mio. Euro kosten. Vor zwei Jahren waren es noch 60 Mio. Euro. Es ist mit weiteren Kostensteigerungen bis zum Baubeginn zu rechnen. Die Stadt wird in den nächsten Jahren über eine halbe Mrd. Euro an Kassenkrediten aufnehmen, Stand heute. Hinzu kommen noch investive Kredite.
- Die Straßenbahn zwischen Zoo und Neuen Friedhof fällt weg, außerdem wird der Busverkehr ab Markt Reutershagen Richtung Innenstadt ausgedünnt. Unser Ziel ist der Erhalt sowohl der Straßenbahnlinie, auch als spätere Verlängerungsoption Richtung Biestow, sowie keine Ausdünnung der Buslinien, die zu den bestnachgefragtesten in Rostock zählen. An der Buslinie liegen u.a. ein großes Altenheim, die Sportarena, das Arbeitsamt, die Hanse Kaserne, die Neptun-Schwimmhalle, das Ostseestadion, die Zentrale Notfallaufnahme der UMR. Alle werden zukünftig seltener mit dem Bus erreichbar sein. Die Linke zwischen Zoo und Neuen Friedhof wird insbesondere durch Ältere und Flüchtlinge genutzt
• Kosten: Bei diesem Argument klingt die Position der SPD nicht gerade glaubhaft, da sie sich ja vehement für die Route Ost ausgesprochen hat und da die Kosten ähnlich hoch waren. Erst als die von ihr bevorzugte Variante nicht ausgewählt wurde, sind die Kosten (sind das übrigens nicht investive Kosten?) für die SPD ein Problem …
• Wegfall von mindestens 53 Kleingärten: Das ist tatsächlich ein Nachteil. Aber bei jedem Großprojekt müssen die Belange verschiedener Beteiligter abgewogen werden. Und bei Projekten bei anderen Standorten spielen anscheinend die Kleingärten keine so große Rolle, zumindest wollte die SPD _nur_ die Kleingärten „Waldessaum“ und „Barnstorf“ vor jeglicher Veränderung schützen, nicht aber die anderen.
• Baumfällungen: Auch bei diesem Argument finde ich die Position der SPD nicht besonders glaubwürdig. Bei der von ihr bevorzugten Tram Ost hätten die ganzen Alleen in Ulrich-von-Hutten-, Händel- und Tschaikowskistraße gefällt werden müssen, was sich auf das Mikroklima in den Straßen sicher mehr ausgewirkt hätte als die Fällungen im Barnstorfer Wald. Erst als die von ihr bevorzugte Variante nicht ausgewählt wurde, sind Baumfällungen für die SPD ein Problem. Zudem wollte die SPD beim Radschnellweg ins besonders geschütze Diedrichshäger Moor hineinbauen.
• Entwicklungsfläche für ein Wohngebiet: Dieses wurde seit 2022 immer wieder ausgeschlossen, warum wird das Argument immer noch angeführt? Aufgrund der neueren Bevölkerungsprognose ist die Stadt von Planungen neuer Stadtteile abgekommen. Und wie konkret kann ein „nicht-städtische[r] Stadtplaner“ die Pläne der Stadt kennen?
• Durchschneiden des Kreisels: Wiederum ist bei diesem Argument die Position der SPD nicht besonders glaubwürdig, da bei der von ihr bevorzugten Tram Ost der Kreisel noch viel stärker hätte durchschnitten werden müssen. Erst als die von ihr bevorzugte Variante nicht ausgewählt wurde, ist das Durchschneiden des Kreisels für die SPD ein Problem.
• Wegfall der Straßenbahn zum Neuen Friedhof: Das wäre aufgrund der maroden Brücke auch ohne die Netzerweiterung ein Problem, das unabhängig von der Erweiterung existiert. Zudem ist eine Verlängerung nach Biestow ohne die Schaffung des neuen Stadtteils „Groß-Biestow“ nicht realistisch, und die Stadt hat sich doch von diesen Plänen verabschiedet.
• Ausdünnen der Buslinien: Da gab es mit der zweiten Untersuchung bereits deutliche Verbesserungen, so soll zwischen Reutershagen und Schwimmhalle alle 10 Minuten gefahren werden, ob mit oder ohne Netzerweiterung.
Sehr geehrter Herr Schaefer-Rolffs,
Ich möchte an dieser Stelle Sie an einigen Stellen berichtigen:
– Die Kosten für die Ost-Route waren schon damals geringer. Inzwischen sind die Kosten der Tram West um 66% innerhalb von 2 Jahren gestiegen. Von 60 auf 100 Mio. Euro. Sie werden weiter steigen, da die 100 Mio. Euro auf den Preisen 2025 beruhen und in 2-3 Jahren die Baupreise weiter gestiegen sein werden. Die Kosten der Ost-Route hingegen sind heute nicht mehr seriös zu beziffern.
– Wegfall von Kleingärten: Wir wollten nicht nur die genannten Kleingartenanlagen schützen, sondern alle Kleingärten vor Ort, da von den Befürwortern der Tram West immer wieder vorgetragen wird, dass niemand die Absicht hat, dort Bauland zu errichten. Dieser Antrag wurde dann von den Befürwortern (und der Verwaltung) abgelehnt, insbesondere mit der Begründung „man möchte keine Vorfestlegungen“.
– Entwicklungsfläche Wohngebiet: Die Stadt hat mitnichten die Planung neuer Stadtteile eingestellt. Beispiele sind: Biestow/Nobelstraße, Hermann-Flach-Straße etc. Ein hoher Vertreter der Wiro hat vor kurzem in einem Zeitungsartikel wieder ins Spiel gebracht, dass die Gebiete an der neuen Straßenbahnlinie zu Bauland umgewandelt werden sollen.
– Ausdünnen der Buslinien: Ja, es gab mit der zweiten Studie tatsächlich Verbesserungen. Ob die RSAG diese Verbesserungen am Ende auch einhält, ist zu mindestens zweifelhaft, da diese nur auf Druck heraus eingearbeitet wurden. Außerdem fahren trotzdem weniger Busse, da heute mit der 25 und 39 der Takt weniger als 10 Minuten ist.
– Wegfall der Straßenbahn: Die Brücke Rennbahnallee muss erneuert werden. In dieser Zeit ist natürlich keine Straßenbahn zum Neuen Friedhof möglich. Der dauerhafte Wegfall ist aber Folge der Planungen der RSAG zur Tram West. So werden die eingesparten Mittel für die Brücke als Einsparungen gegen die Kosten der Tram West angerechnet. Außerdem hat die RSAG und die Stadtverwaltung die Beibehaltung der Strecke zum Neuen Friedhof mit Hinweis auf die Tram West in der Bürgerschaft abgelehnt. Beides hängt somit unmittelbar zusammen.
• Kosten: Ja, die Kosten für West sind etwas höher gewesen (West: 60 Mio. zu Ost: 52 Mio.) Aber dann gehört es auch dazu zu sagen, dass die Betriebskosten bei West um etwa 450.000€ gesunken wären, bei Ost dagegen um 350.000€ gestiegen. Pro Jahr hätte die RSAG bei der Tram Ost dann 800.000€ zusätzlich einplanen müssen. Aber eigentlich lenken Sie erneut von meinem Punkt ab, dass das Umschwenken der SPD zur Erweiterung aufgrund der angeblich viel zu hohen Kosten nicht gerade glaubhaft erscheint.
Denn die Preissteigerungen bei Baukosten (Material, Personal, usw.) wären doch auch für die Route Ost ähnlich gewesen. Es müssten genauso der Untergrund für die Schienen, die Haltestellen und Oberleitungsmasten gebaut werden und in angrenzenden Straßen Straßenbauarbeiten durchgeführt werden. Dann erscheint es mir keinesfalls unseriös, die Kosten für die Route Ost, die Sie sicherlich weiterhin gewollt hätten, auf momentan etwa 85 bis 90 Mio. € zu schätzen. Warum ist die Preissteigerung bei der Route West dann ein Ausschlusskriterium?
• Wegfall von Kleingärten/Entwicklungsfläche Wohngebiet: Zunächst möchte ich festhalten, dass Sie auch hier wieder von meinem ursprünglichen Punkt abweichen. Wenn Sie wirklich alle Kleingärten schützen woll(t)en, wieso wollten Sie dann nur die von der Tram West betroffenen unter einen „Absolutschutz“ stellen und nicht alle Kleingärten Rostocks?
Des Weiteren finde ich es hier nicht gut, wenn Sie hier ein Zeitungszitat mit einer privaten Meinung (auch wenn es ein Vertreter der WIRO ist) für wichtiger ansehen als offizielle Planungseinstellungen, und damit möglicherweise Angstszenarien aufbauen. Können Sie ein offizielles Dokument der Stadt Rostock (z. B. eine aktuelle Beschlussvorlage oder eine Änderung des Flächennutzungsplans) benennen, welches die Umwandlung dieser 1.500 Gärten in Bauland nach 2022 vorsieht? Wenn die Stadtplanung dies offiziell verneint, worauf stützt sich dann Ihre Annahme (außer auf Geraune)?
• Baumfällungen/Durchschneiden des Kreisels: Ich finde es aufschlussreich, dass Sie auf diese Punkte nicht eingehen.
• Ausdünnen der Buslinien: Warum säen Sie hier denn Misstrauen gegenüber der RSAG? Es ist doch ein normaler Prozess und gewollt, dass durch solche öffentlichen Diskussionen Kritikpunkte gefunden und korrigiert werden. Und dass trotzdem weniger Busse fahren, ist ja auch nachvollziehbar. Diejenigen, die von Reutershagen Richtung Doberaner Platz (25) oder Hbf (39) fahren wollen, sind mit der Tram vermutlich schneller dort. Vor allem im Berufsverkehr, denn wie oft stehen die Busse im Stau? Und dann ist trotz sinkender Kapazität ein 10-Minuten-Takt immer noch sehr gut.
Außerdem, wenn wir die schriftlichen Verbesserungen aus den Gutachten und die Beschlüsse der Bürgerschaft als ‚zweifelhaft‘ abtun, auf welcher Basis können wir dann überhaupt noch über Stadtplanung diskutieren? Wenn keine Zusage der Verwaltung mehr zählt, wäre dann nicht auch jedes Versprechen für eine alternative Buslinie wertlos?
• Wegfall der Straßenbahn: Zunächst möchte ich auch hier festhalten, dass die Diskussion auch bei der Tram Ost genauso ihre Gültigkeit gehabt hätte, dass im Rahmen der Planungen der Zweig zum Neuen Friedhof mit Sicherheit auch entfallen wäre. Die Netzerweiterung hat natürlich die Bedeutung des Zweiges reduziert bzw. überholt gemacht. Aber wäre es denn ohne Netzerweiterung sicher gewesen, dass die Straßenbahnbrücke neu gebaut würde? Wer müsste diese finanzieren, und gäbe es Fördermittel dafür? Angenommen, die Tram West würde gestoppt: Liegt Ihnen eine Zusage der Stadt vor, dass die Millionen für die neue Brücke am Neuen Friedhof im Haushalt bereitgestellt würden?